„Nie wieder ist jetzt“ – Kai Uwe Höss im Gespräch mit unseren Schülerinnen und Schülern
Donnerstag, 8. Oktober 2026
Was bedeutet es, mit einer Familiengeschichte zu leben, die untrennbar mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte verbunden ist? Dieser Frage stellte sich Kai Uwe Höss am 2. Oktober bei seinem Besuch an unserer Schule.
Kai Uwe Höss ist der Enkel von Rudolf Höß, dem langjährigen Kommandanten des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Vor unseren Schülerinnen und Schülern sprach er offen über seine Familiengeschichte, die Verbrechen des Nationalsozialismus und die persönliche Auseinandersetzung mit dem Erbe seines Großvaters.
Zwischen Familienleben und dem Grauen von Auschwitz
Besonders eindrücklich war die Schilderung, wie Kai Uwe Höss als Schüler selbst von den Verbrechen seines Großvaters erfuhr. In seiner Familie war die Vergangenheit lange von Schweigen und Scham geprägt. Erst nach und nach begann er, sich bewusst mit seiner Herkunft auseinanderzusetzen.
Dabei wurde eine erschreckende Tatsache deutlich: Rudolf Höß führte als Kommandant von Auschwitz einen organisierten Massenmord durch und war zugleich zuhause Vater von fünf Kindern. Diese scheinbare Trennung zwischen dem Familienleben und dem Grauen des Konzentrationslagers beschäftigt Kai Uwe Höss bis heute.
Seine eigene Antwort auf dieses Erbe ist klar: Die Vergangenheit kann nicht ungeschehen gemacht werden. Aber jeder Mensch kann entscheiden, wie er mit ihr umgeht und welche Zukunft er selbst mitgestaltet.
Erinnerung, Verantwortung und Versöhnung
Kai Uwe Höss berichtete auch von Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden und von seiner gemeinsamen Reise mit seinem Vater nach Auschwitz. Teile dieser persönlichen Geschichte sind im Dokumentarfilm „Der Schatten des Kommandanten“ aus dem Jahr 2024 festgehalten.
Heute setzt sich Höss besonders dafür ein, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Sein Anliegen ist es, nicht nur über Geschichte zu informieren, sondern zum Nachdenken über die eigene Verantwortung anzuregen.
Dabei richtet sich sein Appell nicht nur gegen Antisemitismus, sondern gegen Rassismus, Ausgrenzung und religiösen Fanatismus in jeder Form. Bei allen Unterschieden hätten Menschen grundlegende Wünsche gemeinsam: Sie sehnen sich nach Liebe, Geborgenheit und Hoffnung.
„Nie wieder“ beginnt im Hier und Jetzt
Der Besuch machte deutlich, dass Erinnerungskultur mehr sein muss als das Wissen über historische Daten und Ereignisse. Geschichte soll uns berühren und uns helfen, Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.
Kai Uwe Höss ermutigte unsere Schülerinnen und Schüler deshalb, aufmerksam zu bleiben, Fragen zu stellen und nicht zu schweigen, wenn Menschen ausgegrenzt oder abgewertet werden.
„Nie wieder“ ist nicht nur eine Lehre aus der Vergangenheit. Es ist ein Auftrag für die Gegenwart – und eine Verantwortung, die jeder von uns trägt.
Wir danken Kai Uwe Höss für seinen offenen, persönlichen und eindringlichen Besuch und für die wichtigen Impulse, die er unseren Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg gegeben hat.